Ein Jahrhundert Buddhismus in Hamburg

Buddhismus bei uns – eine Modeerscheinung? Mitnichten! Schon im 19. Jahrhundert gab es Menschen in Deutschland, die sich mit Buddhismus beschäftigten. Als wohl erster prominenter Deutscher bezeichnete sich der Philosoph Arthur Schopenhauer vor ca. 150 Jahren als „Buddhaist“.

1906 – vor über hundert Jahren – wurde in Hamburg die erste buddhistische Gemeinschaft gegründet. Seine Mitglieder waren nicht etwa eingewanderte Asiaten, die sich damit ein Stück Heimat in der Fremde erhalten wollten, sondern Deutsche, die sich davon eine Erweiterung ihres geistigen Horizonts erhofften.

Das im Welthandel traditionell starke Hamburg interessierte sich schon früh für ferne Kulturen. Die Lehre Buddhas faszinierte dabei vor allem Intellektuelle. An der Universität wurde 1914 eine Professur für Indologie am 1908 gegründeten „Kolonialinstitut“ eingerichtet. Auch Buddhismus stand auf dem Lehrplan.

In den 1920er Jahren existierten zwei sehr aktive buddhistische Zirkel in Hamburg, die jedoch im engen geistigen Klima der NS-Zeit einschliefen.

 

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich Buddhismus-Interessierte neu zusammen. 1954 wurde auf Anraten eines asiatischen Lehrers die Buddhistische Gesellschaft Hamburg (BGH) gegründet, die verschiedene Kleingruppen unterschiedlicher Stile zusammenbrachte.

Hamburger Buddhisten gründeten 1962 mit dem „Haus der Stille“ in Roseburg die erste ländliche Begegnungsstätte. Ende der Sechziger Jahre entstanden die ersten Zen-Gruppen, ab Mitte der 1970er Jahre Zentren für Tibetischen Buddhismus.

Heute existieren mindestens 40 buddhistische Zentren und Gruppen in der Hansestadt, welche die ganze Bandbreite repräsentieren: Von asiatisch-traditionell bis westlich-modern. Vom klassischen Theravada über Zen bis zu den Ausprägungen des Tibetischen Buddhismus. Vom kleinen Freundeskreis über etablierten Studienzentren bis hin zum aufwendig in Teamarbeit und Eigenregie umgebauten Fabrikgelände, das heute als öffentliches Meditationszentrum genutzt wird. Heute gibt es mehrere Tausend Hamburger, die regelmäßig Buddhismus in einer der Zentren und Gruppen praktizieren. An der Universität wird Buddhismuskunde unterrichtet, daneben gibt es eine Professur für Tibetologie.

     
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